Wagner Verbandstoffe
Ratgeber

Wundpflaster

Wundpflaster: Richtig anwenden, Fehler vermeiden & das passende Pflaster wählen

Welches Wundpflaster für welche Wunde? Schritt-für-Schritt-Anleitung zur richtigen Wundversorgung mit Pflastern. Materialien, häufige Fehler und wann Sie zum Arzt sollten.

Aktualisiert: 28. März 2026
Expertenwissen
ÖNORM-konform
Wundpflaster
1

Was ist ein Wundpflaster und wie ist es aufgebaut?

Ein Wundpflaster ist ein Medizinprodukt zur Versorgung kleiner Verletzungen. Es besteht aus drei Komponenten: dem Trägermaterial (Vlies, Gewebe oder Folie), das dem Pflaster seine Stabilität und Eigenschaften wie Wasserfestigkeit oder Elastizität verleiht; der Klebeschicht, die das Pflaster auf der Haut fixiert; und der Wundauflage, einem saugfähigen Polster in der Mitte, das die Wunde abdeckt, Sekret aufnimmt und nicht mit dem Wundgewebe verklebt.
Je nach Einsatzbereich unterscheiden sich die Materialien deutlich. Für den täglichen Gebrauch eignen sich hautfreundliche Vlies-Pflaster, für feuchte Arbeitsumgebungen wasserfeste Folienpflaster und für stark beanspruchte Bereiche robuste Textilgewebe-Pflaster. Die Wahl des richtigen Trägermaterials beeinflusst Tragekomfort, Haltbarkeit und Hautverträglichkeit.
2

Wunde richtig versorgen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Eine saubere Erstversorgung ist entscheidend dafür, dass die Wunde komplikationsfrei abheilt. Die folgenden Schritte gelten für kleinere Schnitt-, Schürf- und Stichwunden, die keine ärztliche Behandlung erfordern.
1. Hände waschen: Vor jeder Wundversorgung die Hände gründlich mit Seife waschen oder desinfizieren. In betrieblichen Situationen zusätzlich Einweghandschuhe tragen, um die Wunde vor Keimen zu schützen.
2. Wunde reinigen: Bei einfachen Alltagsverletzungen die Wunde unter fließendem, lauwarmem Leitungswasser ausspülen, um Schmutzpartikel und Keime zu entfernen. Nicht reiben und keine Fremdkörper (z. B. Splitter, Glasscherben) selbst entfernen, das ist Aufgabe des Arztes.
3. Wunde desinfizieren: Bei verschmutzten Wunden oder Verletzungen im Freien ein Wunddesinfektionsmittel auftragen und kurz einwirken lassen. Reine Schnittwunden an sauberen Gegenständen müssen nicht zwingend desinfiziert werden.
4. Pflaster anbringen: Ein passendes Pflaster auswählen, das die Wunde vollständig abdeckt. Die Wundauflage sollte auf allen Seiten mindestens einige Millimeter über den Wundrand hinausragen. Das Pflaster ohne Spannung auf die trockene Haut drücken und an den Kleberändern feststreichen.
5. Pflaster regelmäßig wechseln: Mindestens einmal täglich oder bei Durchfeuchtung, Verschmutzung oder nachlassender Klebkraft. Beim Wechsel die Wunde begutachten und auf Entzündungszeichen achten.
3

Welches Pflaster für welche Wunde?

Nicht jedes Pflaster eignet sich für jede Verletzung. Die richtige Zuordnung vermeidet Komplikationen und unterstützt die Heilung.
Kleine Schnittwunden: Schmale Pflasterstrips oder Wundschnellverband, der auf die passende Länge zugeschnitten wird. Die Wundauflage muss die gesamte Schnittlänge abdecken. Bei Schnitten an Fingern sind spezielle Fingerpflaster die bessere Wahl, da sie sich der Fingerform anpassen.
Schürfwunden: Großflächigere Pflasterstrips oder Wundschnellverband in ausreichender Breite. Da Schürfwunden häufig nässen, sollte die Wundauflage besonders saugfähig sein. Zu kleine Pflaster verkleben am Wundrand und lassen sich nur schwer wechseln.
Stichwunden und tiefe Schnitte: Oberflächliche Stichwunden (z. B. durch einen Nagel oder Dorn) mit einem Pflaster abdecken und beobachten. Tiefe Stich- oder Schnittwunden, die stark bluten oder klaffend sind, erfordern ärztliche Versorgung und sind kein Fall für ein einfaches Pflaster.
Blasen: Geschlossene Blasen möglichst nicht öffnen, die Blasenhaut dient als natürlicher Schutz. Ein Polsterpflaster oder Blasenpflaster schützt vor weiterer Reibung. Offene Blasen mit einer saugfähigen Wundauflage abdecken.
Verbrennungen 1. Grades (Rötung ohne Blasen): Die betroffene Stelle zunächst unter fließendem, handwarmem Wasser kühlen (nicht eiskalt). Anschließend mit einem sterilen Pflaster oder einer Kompresse abdecken. Bei Verbrennungen mit Blasenbildung oder größerer Fläche einen Arzt aufsuchen.
4

Trägermaterial: Vlies, Gewebe oder Folie?

Das Trägermaterial eines Pflasters bestimmt maßgeblich seine Eigenschaften. Je nach Einsatzzweck ist die Wahl des Materials entscheidend.
Vlies (Nonwoven): Weiches, atmungsaktives Material, das sich der Hautoberfläche gut anpasst. Vlies-Pflaster sind hautfreundlich, luftdurchlässig und in der Regel gut verträglich, auch für empfindliche Haut. Sie bieten einen guten Alltagsschutz, sind aber nicht wasserfest und können bei starker Beanspruchung an Halt verlieren.
Gewebe (Textil): Robustes, reißfestes Material mit hoher Klebkraft. Textilpflaster eignen sich besonders für stark beanspruchte Stellen und körperliche Arbeit, da sie auch bei Bewegung und Schweiß zuverlässig halten. Sie sind flexibler als Folienpflaster und bieten einen guten Kompromiss aus Haltbarkeit und Tragekomfort.
Folie (PE/PU): Wasserabweisend bis wasserdicht, transparent oder hautfarben. Folienpflaster schützen die Wunde zuverlässig vor Feuchtigkeit und eignen sich für das Duschen oder die Arbeit in feuchten Umgebungen wie Küchen. Ihr Nachteil: Sie sind weniger atmungsaktiv, was bei ganztägigem Tragen zu Hauterweichung führen kann.
Elastisches Material: Dehnbares Trägermaterial, das jede Bewegung mitmacht, ohne sich zu lösen. Besonders geeignet für Gelenke, Finger und Stellen mit viel Bewegung. Elastische Pflaster kombinieren häufig Textilgewebe mit dehnbaren Fasern.
5

Häufige Fehler bei der Pflasterversorgung

Auch bei einem so alltäglichen Vorgang wie dem Aufkleben eines Pflasters passieren vermeidbare Fehler, die die Wundheilung verzögern oder Infektionen begünstigen können.
Pflaster auf feuchte oder fettige Haut kleben: Die Klebefläche haftet nur auf trockener, fettfreier Haut. Schweiß, Creme- oder Ölrückstände verhindern eine sichere Fixierung und das Pflaster löst sich vorzeitig. Die Haut rund um die Wunde vor dem Aufkleben trocken tupfen.
Zu kleines Pflaster verwenden: Die Wundauflage muss die Wunde vollständig abdecken und einige Millimeter darüber hinausragen. Ragt die Wunde über die Auflage hinaus, klebt die Klebefläche direkt auf dem Wundgewebe, was Schmerzen und Verklebungen verursacht.
Wundauflage berühren: Die sterile Wundauflage in der Mitte des Pflasters darf vor dem Aufkleben nicht mit den Fingern berührt werden. Beim Öffnen der Verpackung das Pflaster an den Kleberändern anfassen und die Auflage direkt auf die Wunde legen.
Pflaster zu lange tragen: Ein durchfeuchtetes oder verschmutztes Pflaster ist kein Wundschutz mehr, sondern ein idealer Nährboden für Keime. Spätestens nach 24 Stunden oder bei sichtbarer Verschmutzung wechseln.
Wunde nicht reinigen: Vor dem Aufkleben des Pflasters muss die Wunde gereinigt werden. Wer ein Pflaster direkt auf eine verschmutzte Wunde klebt, schließt Schmutzpartikel und Bakterien ein und erhöht das Infektionsrisiko.
6

Pflaster bei empfindlicher Haut und Allergien

Manche Menschen reagieren auf den Klebstoff herkömmlicher Pflaster mit Rötung, Juckreiz oder Kontaktekzemen. Die Reaktion betrifft immer die Klebefläche, nicht die Wundauflage, und tritt meist einige Stunden nach dem Aufkleben auf.
Für Betroffene gibt es hypoallergene Sensitiv-Pflaster mit besonders hautschonenden Klebstoffen, häufig auf Silikonbasis. Diese haften zuverlässig, lassen sich aber deutlich sanfter entfernen und hinterlassen weniger Rückstände. Vlies-Trägermaterial ist generell hautfreundlicher als Kunststofffolie.
Wenn auch Sensitiv-Pflaster nicht vertragen werden, ist die Versorgung mit einer sterilen Wundkompresse und einer selbsthaftenden (kohäsiven) Fixierbinde eine bewährte Alternative. Kohäsive Binden kleben nur an sich selbst und kommen nicht mit Klebstoff auf der Haut in Kontakt.
7

Wann ein Pflaster nicht ausreicht: Grenzen der Selbstversorgung

Ein Pflaster ist für die Erstversorgung kleiner Alltagsverletzungen gedacht. Bei folgenden Situationen sollte ein Arzt aufgesucht werden:
Stark blutende Wunden: Wenn die Blutung nach 10 Minuten Druck mit einer sterilen Kompresse nicht zum Stillstand kommt, ist ärztliche Hilfe nötig.
Klaffende oder tiefe Schnittwunden: Wunden, deren Ränder auseinanderklaffen oder die tiefer als einige Millimeter sind, müssen möglicherweise genäht oder geklebt werden.
Bisswunden: Tier- und Menschenbisse haben ein hohes Infektionsrisiko und müssen immer ärztlich versorgt werden, auch wenn sie klein wirken.
Verunreinigte Wunden mit Fremdkörpern: Stecken Splitter, Glas oder andere Fremdkörper in der Wunde, diese nicht selbst entfernen, sondern ärztlich behandeln lassen.
Entzündungszeichen: Zunehmende Rötung, Schwellung, Überwärmung, pochende Schmerzen oder Eiterbildung deuten auf eine Wundinfektion hin, die ärztlicher Behandlung bedarf.
Fehlender Tetanusschutz: Bei Verletzungen durch rostige, verschmutzte oder erdhaltige Gegenstände sollte der Tetanus-Impfstatus geprüft werden. Die Auffrischung ist laut aktuellem Impfplan Österreich alle 5 Jahre empfohlen.
8

Wundpflaster für den Betrieb: Pflichten in Österreich

Das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) verpflichtet jeden Betrieb in Österreich, geeignetes Erste-Hilfe-Material bereitzustellen. Dazu gehören auch Wundpflaster in ausreichender Menge und Vielfalt.
Die ÖNORM Z 1020:2025 regelt, welche Pflaster in einem betrieblichen Erste-Hilfe-Koffer enthalten sein müssen: Wundschnellverbände und Pflasterstrips in verschiedenen Größen. Betriebe haben bis 1. Oktober 2027 Zeit, auf die neue Norm umzustellen.
In der Lebensmittelverarbeitung gelten zusätzliche Anforderungen: Dort müssen detektierbare Pflaster mit Metallstreifen und auffälliger Farbe (üblicherweise Blau) verwendet werden, damit ein verlorenes Pflaster von Metalldetektoren erkannt und optisch identifiziert werden kann.
9

Pflaster richtig lagern

Wundpflaster sind Medizinprodukte mit begrenzter Haltbarkeit. Damit sie im Ernstfall zuverlässig funktionieren, müssen sie richtig gelagert werden.
Der Lagerort sollte trocken, kühl und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sein. Ideal sind Temperaturen zwischen 15 und 25 °C. In Fahrzeugen können sommerliche Temperaturen die Klebeschicht und das Verpackungsmaterial beschädigen, deshalb Pflaster im Auto regelmäßig kontrollieren.
Die sterile Verpackung darf nicht beschädigt sein. Pflaster mit geöffneter oder eingerissener Einzelverpackung sind nicht mehr steril und sollten entsorgt werden. Das Verfallsdatum finden Sie auf der Verpackung. Im Erste-Hilfe-Koffer empfiehlt es sich, die Haltbarkeit halbjährlich zu prüfen und abgelaufene Pflaster zu ersetzen.
Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Finden Sie schnelle Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Wundpflaster

Haben Sie Fragen?

Unser Expertenteam berät Sie gerne persönlich zu allen Produkten, gesetzlichen Vorschriften und der optimalen Ausstattung für Ihr Unternehmen.

Persönliche Beratung

Über 47 Jahre Erfahrung

ÖNORM-konform

Alle Produkte normgerecht

Schnelle Lieferung

Österreichweit 24-48h